DER JAHRESRHYTHMUS (Der Jahreslauf)

Der Rhythmus ist für die Kinder ein wichtiges Element in ihrem Leben. Er gibt ihnen Sicherheit und Vertrauen. So wie auf den Tag die Nacht folgt, wie auf das Spiel im Kindergarten das Aufräumen folgt, so folgt auf den Maltag der Waldtag und auf den Herbst der Winter. Im festen und Sicherheit gebenden Rahmen, den uns das Jahr durch die Jahreszeiten und die Jahresfeste gibt, haben die Kinder die Möglichkeit, sich frei zu bewegen und zu entwickeln.

Im Waldorfkindergarten werden die Jahreszeiten und die christlichen Jahresfeste erlebt, z. B. durch die Gestaltung des Jahreszeitentisches. Hier ermöglichen wir das Erleben der Natur im Raum. So findet man im Frühling helle grüne Farben vor, das Ostergras wächst und bald hüpfen auch die ersten Häschen herbei. In der Adventzeit hingegen kann man hier Maria und Josef auf ihrem Weg zum Stall begleiten.

Aber auch im Reigen, im rhythmisch gestalteten Teil des Tages, begleiten wir in Liedern und Sprüchen das Jahr. So geht zur Erntezeit der Bauer aufs Feld, mäht sein Getreide und bringt es nach dem Dreschen zum Müller. Der mahlt es in der großen Mühle und der Bäcker backt aus dem gewonnenen Mehl ein feines Erntebrot.

Immer wiederkehrende Rhythmen, wie Lieder, Geschichten aber auch Festtagsessen sind "Rituale" und lassen das Kind sich schon im Vorfeld auf das nächste Fest freuen. Denn mit der Vorbereitung auf ein Fest wächst auch die Vorfreude, die sich dann im Höhepunkt, dem Erleben der Feier, entlädt. Dann klingt das eine Fest aus und die Vorbereitung aufs nächste kann beginnen.

In der zeitlichen Ordnung des Jahres leben wir also im Waldorfkindergarten von einem Fest zum nächsten. Und durch das intensive Begleiten unserer Tätigkeiten erleben wir, dass Traditionen entstehen, an denen die Kinder selbst entdecken können, was als nächstes kommt. So wird, wenn die Tage kürzer werden und die Nächte länger, bald das Material auf den Arbeitstisch kommen, das wir zum Basteln unserer Laternen brauchen. Im Reigen werden Lieder ertönen, die die Kinder aus dem letzten Jahr kennen, z. B. "Laterne, Laterne, leuchtet wie die Sterne...". Und auf dem Jahreszeitentisch kommen unsere kleinen Helfer, die Zwerge, aus ihren Verstecken und leuchten uns mit ihren kleinen Laternen dem Laternenfest entgegen. Sind alle Laternen gebastelt, findet unser Laternenfest statt. Dann treffen wir uns, ausnahmsweise im Dunkeln, am nahegelegenen Falkenhagener See mit den Eltern und Kindern und leuchten mit unseren Laternen in die Nacht. Am Ende teilt jeder von uns noch den Martinswecken mit einem Freund, so wie St. Martin im Lied seinen Mantel mit dem Bettler.

So kommen die christlichen Impulse der Feste hinzu. In der Advent- und Dreikönigszeit z. B. freuen sich die Kinder immer besonders auf den Reigen, in dem zu dieser Zeit das Weihnachts- bzw. Dreikönigsspiel seinen Platz hat. Jedes Kind darf einmal die Maria, der Josef, ein Hirte oder eines der Schäfchen sein. Auch die Weihnachtsengel kommen hinzu und einer darf den Weihnachtsstern halten, damit die Hirten den Weg zum Stall finden.

Das Erleben der Jahreszeiten haben wir natürlich zusätzlich ganz intensiv in der Gartenzeit und an unserem Waldtag.
Hier werden Schnecken, Käfer, Würmer, Raupen und Ameisen entdeckt und beobachtet. Schnee, Regen, Wind und die heiße Sonne im Sommer zeigen uns das Spiel des Wetters und dass es eigentlich nur falsche Kleidung, kein falsches Wetter gibt. Im Spiel mit den Elementen erleben wir uns jeden Tag neu.

So hat das Jahr seine verschiedenen Zeiten und Feste und gibt uns dadurch die Sicherheit und das Vertrauen zu wissen, was kommt und was war.

Wir erleben und feiern folgende Feste und Festzeiten:

Januar

Drei Könige

Februar

Fasching

März oder April

Ostern

Mai oder Juni

Himmelfahrt und Pfingsten

Juni

Sommerfest (Johanni) und Abschied der Schulkinder

Juli/August

Ferien

September

Ernte

Oktober

Michaeli

November

St. Martin

Dezember

Adventgärtlein, Adventzeit

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