DER TAGESABLAUF

Zwischen 7.30 und 8.30 Uhr werden die Kinder begrüßt und können schon etwas spielen oder den Erwachsenen bei kleinen Reparaturen, der Vorbereitung des Frühstücks oder der "Tagesaufgabe" der Erzieherin helfen.
Um 8.30 Uhr gibt es Frühstück, das teils von den Kindern mitgebracht, teils im Kindergarten zubereitet wird; wir beginnen und beenden es mit kleinen Versen oder Liedern.
Nach dem Frühstück kommen noch einige Kinder hinzu und alle gehen zum Freispiel: jeder sucht oder baut sich ein "Haus", "Boot", "Zug", "Malerwerkstatt", "Schmiede", "Auto", "Flugzeug", in denen die verschiedensten Spiele stattfinden und die sich bei Bedarf, bei neuen Ideen, verwandeln können.

Für das Freispiel ist die vorbildgebende Tätigkeit der Erwachsenen wichtig: Jeder hat seine Aufgaben, um das Kindergartenleben zu bereichern, da gibt es das Vor- und Nachbereiten von Festen, Herstellen von Spielmaterial und Puppen zum Geschichtenbauen, Holzklötze sägen und schleifen, Puppengeschirr schnitzen oder töpfern, Bänder häkeln, oder im Wochenlauf z. B. Aquarellieren.
Durch dieses sinnvolle Arbeiten in einer fröhlichen und heiteren Atmosphäre bekommen die Kinder Anregungen für ihr Spiel, entweder indem sie mithelfen und es dann nachahmen oder indem sie die "Abfälle" holen und in ihr Spiel einbauen (Sägespäne z. B. als "Essen" oder "Futter für die Tiere" oder als "Schnee", Filzreste werden zu Schmetterlingen oder Fischen).

Für die Kinder ist das Spiel die tägliche Arbeit. Sie lernen fürs Leben: ihre Glieder zu gebrauchen, Dinge zuzuordnen, physikalische Gesetze, Zusammenhänge erkennen (z. B. beim Spülen: "das Glas ist ja wasserdicht" bemerkt ein Fünfjähriger erstaunt, als das Glas auf dem Wasser schwimmt, obwohl wir seit zwei Jahren jeden Tag Tee aus diesen Gläsern tranken), Körperbeherrschung, positive Einstellung zur Arbeit und ganz wichtig: soziales Miteinander (Rücksichtnahme, Abwarten können, Verzicht, sich entschuldigen, aber auch sich durchsetzen für ein schüchternes Kind).
Dieses Freispiel wird immer wichtiger, weil die Fremdbestimmung der Kinder immer mehr um sich greift: Ablauf im Kindergarten, Zwänge im Elternhaus und dann oft noch Termine am Nachmittag wie Schwimmen, Turnen, Musikschule, Tanzen, Basteln.
Viele Kinder haben heute einen Terminplan wie Erwachsene und können kaum noch die Eindrücke, die ihnen angeboten werden, verarbeiten, weil dafür die freie Zeit oder Pausen (Ferien) fehlen, um spielerisch mit den erfahrenen Dingen umzugehen und sie so zu verinnerlichen bzw. sich zu eigen zu machen. Das führt oft zu Unruhe und evtl. auch zu unruhigem Schlaf oder es lässt sie gar nicht erst zur Ruhe kommen bzw. einschlafen.

Gegen 10.00 Uhr räumen wir alle zusammen auf. Jedes Kind hilft seinem Alter entsprechend: die Großen eine bestimmte Aufgabe bis zum Schluss durchzuhalten, die Kleinen einzelne Dinge an ihren Platz zu tragen.
Nach einem Toilettengang, einem kleinen Fingerspiel und einigen Liedern machen wir alle zusammen den Reigen, in dem die Erzieherin aus Liedern und Sprüchen der Jahreszeit entsprechend eine kleine Geschichte zusammengestellt hat. Er wird im Kreis gehend oder laufend gemacht und mit Gesten begleitet. Die Kinder machen einfach mit (Nachahmung) und lernen so geführte Bewegungen. Der Reigen wiederholt sich über drei bis vier Wochen täglich zur Vertiefung.
Nach dem Reigen gehen wir täglich in den Garten, um die Sinne nochmals anders zu schulen, Wind und Wetter zu spüren und damit die Kinder einmal richtig durchatmen und sich auslaufen können. Nach einer 3/4 bis einer Stunde räumen wir auch hier auf und gehen alle zur Geschichte, die für die ersten Kinder den Abschluss bildet (12.15 Uhr).
Die Geschichte ist oft eine kleine rhythmische Erzählung, sie passt möglichst zur Jahreszeit und wird ebenso wie der Reigen drei bis vier Wochen lang erzählt.

Alles dies wird mit bestimmten Liedern und Sprüchen begleitet, die den Kindern vertraut sind und zeigen was kommt, so dass sie sich an den Wiederholungen freuen und festhalten können.

Für die anderen Kinder gibt es jetzt ein gemeinsames Mittagessen, das vollwertig und vegetarisch von einer lieben Köchin im Kindergarten zubereitet wird.
Nach dem Mittagessen (13.00 Uhr) werden wieder einige Kinder abgeholt und die anderen gehen zum Zähneputzen und zur Mittagsruhe (ca. 13.15 bis 14.15 Uhr). Nach dem Aufstehen können die Ersten noch Kleinigkeiten spielen, z. B. die Feinmotorik mit kleinen (besonderen) Bauklötzen am Tisch schulen, was sehr beliebt ist. Um 14.45 Uhr werden wieder Kinder abgeholt.
Die Verbleibenden haben nochmals Zeit zum Spielen, Basteln oder um in den Garten zu gehen. Jetzt ist es wichtig für die Kinder, auch einmal die Aufmerksamkeit eines Erwachsenen für sich alleine zu haben oder etwas Besonderes machen zu dürfen (z. B. ein Bilderbuch anzuschauen, zu kreiseln, etwas zu basteln oder zu spielen, was es vormittags nicht gibt), so wie das die Kinder zu Hause bei den Eltern auch machen. Deshalb ist es schön, wenn am Nachmittag weniger Kinder da sind, damit die Erzieherinnen diesen Bedürfnissen gerecht werden können.
Um 15.30 Uhr und 16.30 Uhr werden die letzten Kinder abgeholt.

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